Die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn

Tram 88 – das ist die komfortable, zuverlässige und ökologische vorteilhafte Anbindung für 23.000 Einwohner am östlichen Stadtrand von Berlin. Sie verbindet den Berliner S-Bahnhof Friedrichshagen mit den Vorortgemeinden Schöneiche und Rüdersdorf.

Die Tram 88 hat eine Streckenlänge von 14 Kilometern und führt durch wald- und wasserreiches Gebiet: durch den Berliner Stadtforst, die »Waldgartenstadt« Schöneiche bis in das früher durch Kalkabbau und Zementindustrie geprägte Rüdersdorf, das sich heute ebenfalls als attraktiver Wohn- und Erholungsort präsentiert. Sie bedient dabei 20 Haltestellen.

Die Tram 88 wird betrieben von der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn GmbH (SRS), deren Gesellschafter seit 2001 zu 70% die Niederbarnimer Eisenbahn AG ist. Zu ihren Gesellschaftern gehören daneben die beiden bedienten Gemeinden Schöneiche und Rüdersdorf.

Die Tram 88 verkehrt täglich im 20-Minuten-Takt, nur in den Schwachverkehrszeiten wird im 30- bzw. 60-Minuten-Intervall gefahren. Sie wird werktags von rund 3.400 Fahrgästen genutzt. Dabei werden im Jahr über 1 Million Fahrgäste befördert und etwa 500.000 Fahrplankilometer erbracht.

Die Tram 88 kann in den letzten Jahren auf deutliche Verkehrszuwächse verweisen. Ursachen: der starke Zuzug in die attraktiven Wohnorte am Rande Berlins und der wachsende Ausflugsverkehr in die grüne Umgebung der Hauptstadt.

Tram 88 – das ist eine Liniennummer innerhalb des Verkehrsverbundes Berlin-
Brandenburg (VBB). Seit seiner Gründung gehört die SRS dem größten Verkehrsverbund
Deutschlands an.

Die Bahn von Damals bis Heute

Als zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts das wald- und wasserreiche östliche Berliner Umland als attraktive Wohnlage entdeckt wurde, entstand gleichzeitig der Ruf nach einer guten Verkehrsanbindung. Während die an den großen Eisenbahnstrecken - der Ostbahn und der Frankfurter Bahn - gelegenen Orte längst vom Vorortverkehr, der später in die Berliner S-Bahn überging, profitierten, verspürten die abseits gelegenen Gemeinden Schöneiche und Rüdersdorf einen Entwicklungsnachteil. Ebenso ging es dem benachbarten Wolterdorf. Kein Wunder, dass von diesen Gemeinden starke Initiativen für den Bau eigener Bahnen ausgingen. Wie wenig diese Aktivitäten untereinander abgestimmt waren, zeigte sich u.a. in der Wahl unterschiedlicher Spurweiten: 1435 mm–Regelspur in Woltersdorf und 1000 mm-Schmalspur in Schöneiche/Rüdersdorf.

Genehmigt nach dem Preußischen Kleinbahngesetz wurde am 28. August 1910 die Verbindung zwischen dem Bahnhof Friedrichshagen und Schöneiche, Schloss in Betrieb genommen. Die Benzolbahn fuhr anfangs cirka einmal pro Stunde. Zwei Jahre später wurde die Bahn nach Kalkberge (heute Rüdersdorf) verlängert und 1914 elektrifiziert. In den folgenden Jahrzehnten mehrfach ausgebaut, erlebte die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn im Jahr 1977 eine größere Erweiterung, als eine ca. 2 km lange Neubaustrecke in den Ortsteil Alt-Rüdersdorf das
ehemalige Streckenende zum Kalkberger Marktplatz ersetzte. Diese knapp 1 km lange Straßenbahnstrecke wurde dem fortschreitenden Kalkabbau »geopfert«. Damit erreichte die Strecke die heutige Gesamtlänge von 14,1 km.

Von 1970 bis 1990 unterstand die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn, wie auch die Straßenbahnen von Strausberg und Woltersdorf, als »Zweigbetrieb Schienenverkehr« dem »Verkehrskombinat Frankfurt/Oder«, einem zentralgeleiteten Staatsbetrieb. Darin spielten Straßenbahnen eine untergeordnete Rolle, so dass sie mehr und mehr vernachlässigt wurden. Die Fahrzeuge waren Baujahr 1929 oder noch älter, daher behalf man sich mit der aufwendigen »Rekonstruktion« (fast Neuaufbau) ganzer Züge in eigener Werkstatt oder mit der Übernahme gebrauchter Fahrzeuge. Da auch in die Infrastruktur kaum noch investiert wurde und selbst notwendige Reparaturen unterblieben, drohte mehrfach die Stilllegung aus technischen Gründen. In den achtziger Jahren kam es fast täglich zu Entgleisungen, zudem verließen immer mehr Mitarbeiter das nicht mehr attraktive Unternehmen.

Unmittelbar nach 1990 kam die SRS in den Genuss großzügiger Finanzierung des ÖPNV durch Bund und Land - es konnte wieder investiert werden und Arbeitskräfte standen auch zur Verfügung. So wurden in den vergangenen zehn Jahren mit Hilfe umfangreicher GVFG Förderung große Teile der Gleis- und Fahrleitungsanlagen erneuert, Werkstätten und Fahrzeuge modernisiert sowie Sicherungs- und Abfertigungstechnik beschafft. Fortgesetzt werden musste allerdings die »Tradition«, gebrauchte Fahrzeuge anderer Verkehrsunternehmen einzusetzen: ehemals Heidelberger DÜWAG-Wagen wurden in den letzten Jahren in Betrieb genommen. 

Allerdings konnte angesichts der Forderung nach Kommunalisierung der Verkehrsunternehmen für eine »Landstraßenbahn « wie die SRS nur mit sehr großer politischer Anstrengung und Kompromissbereitschaft eine tragfähige Lösung zur Finanzierung des laufenden Betriebs gefunden werden. Schließlich verständigten sich die nach wie vor sehr stark am Erhalt der Bahnen interessierten Gemeinden und die zuständigen Landkreise auf die Bezuschussung der Bahn jeweils zu gleichen Teilen. Nicht gelungen ist allerdings die Einbeziehung von Berlin, obwohl die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn 4 Kilometer auf Berliner Gebiet fährt, für viele Berliner ein unverzichtbares Nahverkehrsmittel ist und täglich viele Autofahrten in die Metropole erspart.

Im Jahr 2000, dem 90. Jahr ihres Bestehens, stand die SRS erneut kurz vor dem Ende, da die vier kommunalen Gesellschafter angesichts verschlechterter Haushaltslagen und ausgeschöpfter Rationalisierungspotenziale bei der Straßenbahn keine Möglichkeit einer ausreichenden Finanzierung mehr sahen. Die Schöneicher und Rüdersdorfer jedoch wollten sich ihre Bahn nicht nehmen lassen. Mit der erfolgreichen Privatisierung und einem auf zehn Jahre angelegten Verkehrsvertrag konnte schließlich wieder eine neue Perspektive gefunden werden.

Seit 1. Januar 2001 ist die Niederbarnimer Eisenbahn AG mit 70% Mehrheitsgesellschafter der SRS. Daneben halten die Gemeinden Schöneiche und Rüdersdorf weiter je 15% an der Gesellschaft.

Am 28. August 2010 konnte der 100. Geburstag der Straßenbahn gefeiert werden. Bei dieser Gelengenheit wurde bekanntgegeben, das der Vertrag mit der Niederbarnimer Eisenbahn AG um weiter 15 Jahre bis zum 31.12.2024 verlängert wurde und weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrsangebotes vereinbart wurden. So werden zukünftig drei gebrauchte teilniederflurige Straßenbahnwagen aus Cottbus beschafft, die auf jeder zweiten Fahrt einen barierefreien Zugang ermöglichen sollen. Weiterhin wurden Maßnahmen zur Infrastrukturverbesserung vereinbart.